Not so heavenly lake

Mit dem Schnellzug fuhren wir weiter ins wunderbar kühle (33 Grad) Urumqi. Die Hauptstadt selbst hat nicht viel zu bieten; der nahegelegene „Heaven lake“ (Tianchi), auch gerne mit „Heavy Pond“ übelsetzt, ist das „Thing to do“ für chinesische Touristen. Und genau einen solchen chinesisch touristischen Ausflug erlebten wir. Kleiner Disclaimer: Das könnte „etwas“ länger werden.. 🙂

Der Tag begann um 08.00 Uhr bei der Busstation, wo eine mürrische Frau mit Bustickets für Bus Nr. 1 wedelte. Ich fragte nach dem Preis und verstand „40 yuan“. Super, dachten wir, denn gemäss Internet sollte die Fahrt 50Y kosten. Jon streckte ihr eine 100er Note hin, doch die Frau fing an, den Preis energisch zu wiederholen. Da dämmerte mir, dass ich wieder mal 4 (si) und 7 (qi) verwechselt hatte und die gute Frau 70Y pro Ticket wollte. Nö. Ich nahm ihr die Note wieder ab, woraufhin sie diese sogleich wieder an sich riss und uns mit einem Seufzer die Tickets übergab. Als wir danach den Bus bestiegen, auf dem übrigens gross und fett „50Y“ stand, klopften die herumstehenden Busfahrer der Frau lachend auf die Schulter. Pech gehabt, meine Liebe!

Nach einer dank Stau und obligatem Einkaufsstopp viel zu langen Busfahrt mit einer längeren Diskussion mit unserer „Reiseleiterin“, dass wir nur mit dem Bus fahren und an keiner Tour teilnehmen würden, kamen wir beim Eingang zum Park an. Dort bestiegen wir nach der obligatorischen Polizeikontrolle Bus Nr. 2, der wieder doppelt so lang hatte, da wir zwischendurch noch durch eine „authentic kazach village“ (Souvenir-, Verkleidungs- und teure Essensstände) geschleust wurden. Nach ganzen 4 statt 2-2.5 Stunden kamen wir dann beim See an. Der – anders als auf allen Postkartenmotiven – aufgrund des schlechten Wetters in Nebel gehüllt war. „Mystisch“!

Drei Stunden und zwei mit unserem Schweizer Reise-Sparschäler geschälte Rüablis später waren wir wieder beim Eingang und versuchten leicht verzweifelt, inmitten von Hunderten von Chinesen „unsere“ 30 Mitreisenden zu finden. Schwierig, sag ich euch. Die Erinnerung an „die süsse kleine Oma mit dem frechen kleinen Jungen“ hilft einem da nicht wirklich weiter. Und auch „die Frau mit dem roten Kleid“ ist aufgrund der Tatsache, dass rot Glück bringt und somit sozusagen jede zweite Frau ein rotes Kleid trägt, kein taugliches Wiedererkennungsmerkmal. Schliesslich fanden wir nicht die Gruppe, sondern den Bus und freuten uns auf eine schnellere Heimfahrt.

Nix da, denn hier schlug das Karma für die Busfirma, die uns heute Morgen hatte abzocken wollen, erbarmungslos zu. Wir wurden nämlich das erste Mal so richtig kontrolliert. Diese „Routine-Kontrolle“ verschaffte uns sogar eine Fahrt in einem chinesischen Polizeiauto und beinhaltete das fünfmalige Kopieren unserer Pässe sowie gaaanz viele Polizisten, die diese misstrauisch begutachteten (so à la „Schweiz, wo ist das? Ist das echt?“). Ein wirkliches Problem gab es, so die abwinkende Antwort auf meine Nachfrage, nämlich keins. Für die Busgesellschaft allerdings schon, denn sie durfte eine geschlagene Stunde auf uns warten.

Schliesslich durften wir weiterfahren, nur um eine gute Viertelstunde später in die nächste Kontrolle zu gelangen. Dieses Mal ging alles fix und wir wollten schon wieder einsteigen, als uns ein anderer Polizist nachrannte und unsere Pässe dann doch noch einmal kontrollieren wollte. Da es mittlerweile wirklich spät war, kamen wir auch noch in einen riesigen Stau und waren schliesslich um 21.00 Uhr wieder zurück bei der Busstation, wo wir natürlich kein freies Taxi mehr fanden. Also liefen wir zurück zum Hotel und wurden dabei den ganzen Weg von einem dicklichen, würstchenessenden Kind auf einem Fahrrad umkreist. Dieses liess sich weder durch mein energisches „Weg!“ noch durch einen Stopp im Supermarkt abwimmeln, weshalb wir fast wieder auf dem Polizeiposten gelandet wären. Ich war nämlich mittlerweile so genervt, dass ich die Wasserflasche schon geöffnet hatte, um sie dem Jungen über den Kopf zu leeren. Zum Glück hielt man mich davon ab, sodass unser Tag dann doch in unserem neuen Lieblings-Reisnudel-Restaurant endete.

Nudel gut, alles gut.

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